Für alle, die heute die längst fällige Rundmail erreichen wird, denen der letzte Post zu wenig erläuternd war und für mich: Jetzt mal von vorne...
Gegen zehn heute morgen verlasse ich meine Wohnung im Norden Mitrovicas (siehe Link im letzten Post), wunderbar kühl im Erdgeschoss eines Apartmentblocks mit freundlichen älteren Nachbarn und einem Fitnessstudio in der Nähe. Ich laufe über das Gelände des serbischen Krankenhauses zur Hauptstraße Mitros und kaufe mir für serbische Dinar einen serbischen Joghurt. Am Straßenrand bei einer rauchenden 80jährigen Serbin, ganz in schwarz, erstehe ich eine mittelgroße serbische Aubergine, bezahle auch hier mit Dinar. Das ist angenehmer, weil man sich die beleidigten Blicke erspart, die man erntet, wenn man mit Euro bezahlt (und die Verkäufer umrechnen müssen...). Die Sonne scheint, etliche Menschen sind draußen, viele im "arbeitsfähigen Alter", viele sitzend vor den unzähligen kleinen Shops, die aus nicht mehr als vier Blechwänden be- und auf mitten auf dem Bürgersteig rumstehen, alle mit dem gleichen, serbischen Angebot. Chipsy-Chips gibt es auf beiden Seiten und auch 7days-Produkte wie Schoko-Croissants in Snack-Verpackung findet man in albanischen Läden, drüben auf der anderen Seite des Flusses Ibar. Ich setzte meinen Weg zum Büro fort, hangabwärts auf der Hauptstraße, südlich, Richtung Brücke. Französische KFOR-Soldaten kommen mir entgegen - ich kann die Länder inzwischen anhand Gewehr und Flecktarn unterscheiden.
Die UN-Jeeps, riesengroß, bewachen die Brücke, Polizisten aus aller Welt, mit Turban, schwarz, stiernackig rosa, blond und mit Pferdeschwanz kontrollieren die seltenen zivile Fahrzeuge, die die Brücke queren. Einer grüßt albanische Mädchen, die zu Fuß, unbeschwert und fröhlich nach Süden laufen. Eine europäische "Internationale" (Sammelbegriff für Helfer, NGO-Personal, OSZE-Leute, UN-Leute, internationale Polizisten) Mitte 40 scherzt auf Englisch mit den albanischen Kosovo-Police-Service-vermutlich-Ex-albanische- Befreiungsarmee-Polizisten jeder hier auf dem Balkan und besonders im Kosovo habe zu allem eine Meinung, alles sei politisch und niemals sei man sich einig. Während ich die letzten Meter in der confidence area der Internationalen Organisationen zum Büro kurz hinter der Brücke rechts absolviere, versuche ich ihren Tonfall einzuordnen: scherzhaft, ein wenig zu laut, Lachen ohne die anderen abzuwarten, ausführlich erläuternd? Ja, doch - ich verstehe ihre Hysterie, gebraut aus permanenter Vorsicht, der omnipräsenten Absurdität und dem unerfüllten Wunsch, das alles zu verstehen, ganz gut. Ich freue mich schnell auf die Arbeit an der Website, am Layout der Broschüren und an den Plakaten für den Peace Day am 21 September.
Die UN-Jeeps, riesengroß, bewachen die Brücke, Polizisten aus aller Welt, mit Turban, schwarz, stiernackig rosa, blond und mit Pferdeschwanz kontrollieren die seltenen zivile Fahrzeuge, die die Brücke queren. Einer grüßt albanische Mädchen, die zu Fuß, unbeschwert und fröhlich nach Süden laufen. Eine europäische "Internationale" (Sammelbegriff für Helfer, NGO-Personal, OSZE-Leute, UN-Leute, internationale Polizisten) Mitte 40 scherzt auf Englisch mit den albanischen Kosovo-Police-Service-vermutlich-Ex-albanische- Befreiungsarmee-Polizisten jeder hier auf dem Balkan und besonders im Kosovo habe zu allem eine Meinung, alles sei politisch und niemals sei man sich einig. Während ich die letzten Meter in der confidence area der Internationalen Organisationen zum Büro kurz hinter der Brücke rechts absolviere, versuche ich ihren Tonfall einzuordnen: scherzhaft, ein wenig zu laut, Lachen ohne die anderen abzuwarten, ausführlich erläuternd? Ja, doch - ich verstehe ihre Hysterie, gebraut aus permanenter Vorsicht, der omnipräsenten Absurdität und dem unerfüllten Wunsch, das alles zu verstehen, ganz gut. Ich freue mich schnell auf die Arbeit an der Website, am Layout der Broschüren und an den Plakaten für den Peace Day am 21 September.
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