So, ich bin angekommen - endlich. Und hier nun also ein paar meiner Eindrücke (ich hoffe, Simon, du verzeihst, dass ich mich erst jetzt hier beteilige, wo es für mich nur Außergewöhnliches gibt, das sich leicht beschreiben lässt...) Vier Wochen Kosovo bisher, genauer Mitrovica/e (im Folgenden Mitro) im Norden, mit klarer Grenze zwischen einem südlichen, homogen albanischem und einem nördlichen, homogen serbischen Teil (zu finden hier als Luftbild, südlich der Brücke, drittes Gebäude links mein Büro, nördlich über die Brücke, erste Straße links, erste rechts den Hügel hinauf, an drei Hochhäusern mit langen Schatten vorbei auf der linken Seite meine Wohnung). Allmählich Vertrautheit, Routinen, Gewohnheiten; unter der Woche, während der Arbeit, geteilt mit wundervollen Kollegen, Albanern meist, einer Serbin, Heldin der Unaufgeregtheit. Und dann immer wieder Neues, Ungekanntes, Unverstehbares. So letztes Wochenende im entspannten Prizren, im albanischen Süden des Kosovo,
während des über die "Landesgrenzen" bekannten Filmfestes Dokufest (mit Filmen wie "Mosquito problem", Ausschnitt links). Während wir im Cafe saßen, begannen vor uns auf der Straße zwei Kerle aufeinander einzuprügeln. Glas klirrte irgendwo. Die zwei schlugen sich klatschende Fäuste in Gesicht, ohne auch nur ein Wort zu sagen, ohne einen Laut von sich zugeben. Wer weiß, was sie oder ihre Familien vielleicht Jahre vorher schon gesagt und geschrieen hatten, in diesem Moment hörte man nur die Fäuste. Jeder der Zwei Kämpfer mit einem Sekundanten, der eine
dazwischen, der andere involviert. In kürzester Zeit ein Riesenauflauf, gespannte Gesichter, Adrenalinlachen, weit und breit nur junge Männer, Bewegung in Richtung des Kampfes, alles weg von unserem Cafe, bald außer Sichtweite. Immer noch keine lauten Rufe - alles handfeste Kommuniaktion. Und ich? Erschrocken in meinem Sessel, bis obenhin voll mit Adrenalin, zitternden Händen, ja, geschockt, ängstlich, Blick zu den Kellnern, abchecken, wer reagiert wie? Meine Begleitung beruhigte mich. Kein Krieg, nichts ethnisches - Jungsprügelei eben. Und sie hatte Recht, kein Mob auf der Straße, keine Waffen, keine Politik, lediglich Neugier der Umstehenden. Trotzdem ungewohnt, Fatos' Worte, Kollege in Mitro, fallen mir wieder ein: Die Leute sind frustriert, gestresst und angespannt. Diese Spannung entlade sich überall. Dazu Familienehre und Fehden... Ja, gut, Gewalt als Nachkriegsbesonderheit, geschürt durch Armut und extrem schwierige Selbstverwirklichung, begünstigt durch sozio-kulturelle Faktoren - irgendwie so könnte man das erklären, rationalisieren, verursächlichen, als Wirkung mit Geschichte greifbar machen. Nichts davon im Moment des Erlebens. Gewalt ist nicht verschwunden, nicht durch Gewaltmonopol (zu dessen Durchsetzung die KFOR als multinationale "Friedens"-Truppe sogar Kinder aufgefordert, ihre Spielzeugwaffen abzugeben, siehe Foto oben, und lokale NGOs geben ihnen dafür Süßigkeiten), nicht durch Argumente, Werte, Erziehung. Und im selben Moment, in dem ich das schreibe, schreit ewtas nach dem abstrakten Ideal, so viele Konflikte wie möglich gewaltfrei auszutragen. Gewaltfrei, unter Gewaltandrohung, Gewalt als Nothilfe, Selbstschutz, "humanitäre Intervention"? Delegiere diese Fragen hiermit an Völkerrechtsexperten. Ich wäre gerne weniger geschockt gewesen, klarer über die Situation und was ich hätte tun können oder auch nicht. Auf gar keinen Fall will ich hier zum Adrenalinjunkie werden, soll der Schockzustand, die Aufregung, die Suche nach ihr zur konstanten Stimmung werden, gleichzeitig ist ignorieren wohl auch verkehrt und hinderlich. Was bleibt? Jeden schönen Moment umso mehr auskosten, wie üblich, und ein waches Auge auf den Adrenalinspiegel haben...
während des über die "Landesgrenzen" bekannten Filmfestes Dokufest (mit Filmen wie "Mosquito problem", Ausschnitt links). Während wir im Cafe saßen, begannen vor uns auf der Straße zwei Kerle aufeinander einzuprügeln. Glas klirrte irgendwo. Die zwei schlugen sich klatschende Fäuste in Gesicht, ohne auch nur ein Wort zu sagen, ohne einen Laut von sich zugeben. Wer weiß, was sie oder ihre Familien vielleicht Jahre vorher schon gesagt und geschrieen hatten, in diesem Moment hörte man nur die Fäuste. Jeder der Zwei Kämpfer mit einem Sekundanten, der eine
dazwischen, der andere involviert. In kürzester Zeit ein Riesenauflauf, gespannte Gesichter, Adrenalinlachen, weit und breit nur junge Männer, Bewegung in Richtung des Kampfes, alles weg von unserem Cafe, bald außer Sichtweite. Immer noch keine lauten Rufe - alles handfeste Kommuniaktion. Und ich? Erschrocken in meinem Sessel, bis obenhin voll mit Adrenalin, zitternden Händen, ja, geschockt, ängstlich, Blick zu den Kellnern, abchecken, wer reagiert wie? Meine Begleitung beruhigte mich. Kein Krieg, nichts ethnisches - Jungsprügelei eben. Und sie hatte Recht, kein Mob auf der Straße, keine Waffen, keine Politik, lediglich Neugier der Umstehenden. Trotzdem ungewohnt, Fatos' Worte, Kollege in Mitro, fallen mir wieder ein: Die Leute sind frustriert, gestresst und angespannt. Diese Spannung entlade sich überall. Dazu Familienehre und Fehden... Ja, gut, Gewalt als Nachkriegsbesonderheit, geschürt durch Armut und extrem schwierige Selbstverwirklichung, begünstigt durch sozio-kulturelle Faktoren - irgendwie so könnte man das erklären, rationalisieren, verursächlichen, als Wirkung mit Geschichte greifbar machen. Nichts davon im Moment des Erlebens. Gewalt ist nicht verschwunden, nicht durch Gewaltmonopol (zu dessen Durchsetzung die KFOR als multinationale "Friedens"-Truppe sogar Kinder aufgefordert, ihre Spielzeugwaffen abzugeben, siehe Foto oben, und lokale NGOs geben ihnen dafür Süßigkeiten), nicht durch Argumente, Werte, Erziehung. Und im selben Moment, in dem ich das schreibe, schreit ewtas nach dem abstrakten Ideal, so viele Konflikte wie möglich gewaltfrei auszutragen. Gewaltfrei, unter Gewaltandrohung, Gewalt als Nothilfe, Selbstschutz, "humanitäre Intervention"? Delegiere diese Fragen hiermit an Völkerrechtsexperten. Ich wäre gerne weniger geschockt gewesen, klarer über die Situation und was ich hätte tun können oder auch nicht. Auf gar keinen Fall will ich hier zum Adrenalinjunkie werden, soll der Schockzustand, die Aufregung, die Suche nach ihr zur konstanten Stimmung werden, gleichzeitig ist ignorieren wohl auch verkehrt und hinderlich. Was bleibt? Jeden schönen Moment umso mehr auskosten, wie üblich, und ein waches Auge auf den Adrenalinspiegel haben...
0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen