Freitag, 31. August 2007

Jemand hat ihn mir verkauft...

Kurz nach dem Krieg im Kosovo 1999, also genauer, nach dem Einlenken der Regierung Milosevics, dem Ende der NATO-Luftangriffe auf serbische Städte und dem Rückzug der serbischen Militär-, Polizei- und Paramilitäreinheiten aus dem Kosovo, kehrten die albanischen Flüchtlinge nach und nach zurück, ein Prozess, der immer noch andauert. Auch Leute aus Mitro kamen zurück aus Albanien, Montenegro, der Türkei und aus anderen europäischen Staaten und trafen in ihren früheren Wohnort auf Flüchtlinge vom Land. In jenen Zeiten konnte es einem passieren, dass es an der Tür klopft und nach dem Öffnen jemand behauptet, diese Wohnung, die man vor dem Krieg rechtmäßig besessen hatte, was ja eigentlich immer noch der Fall ist, gehöre ihm oder seiner Familie. Dazu muss man wissen, dass viele Wohnungen von aus Angst vor Vergeltung geflohenen Serben leer standen. Albaner, die vom Land in die Städte flohen und dort schließlich bleiben wollten, nutzten diese Gelegenheiten und wussten, dass andere diese Gelgenheiten nutzten.

Jemand versucht also möglicherweise mit Papieren, die gefälscht sein mussten, zu belegen, dass diese deine Wohnung die seine ist. Gut, wenn man selber Papiere hatte. Oder Fotos aus der Zeit vor dem Krieg von Einrichtungsgegenständen, die man vor der zeitweisen Flucht besessen hatte, die bei der Rückkehr verschwunden waren und die nun - anstatt auf den Bergen von Möbeln, Kleidern und anderen persönlichen Dingen zu liegen, von serbischen Einheiten aus den Fenstern geworfen, - bei den Nachbarn im Flur zu finden sind, wie etwa ein wunderschöner, großer Spiegel mit aufwändig verziertem Holzrahmen. Aneignen, weiterverkaufen, abtransportieren, schieben, verstecken, sich heimlich freuen, prahlen, vorsichtig sein und Misstrauen; auf der anderen Seite die Frauen des Viertels, die einen gemeinsamen Gang durch alle acht Appartmenthäuser mit je 20 Wohnungen unternehmen, um vermisste geliebte und wertvolle Dinge wiederzufinden und all die richtigen und falschen Verdächtigungen loszuwerden. "Ja, wir hatten einen ganz ähnlichen Spiegel..." "Wirklich?"